Ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten? Extra-Millionen für Amar!

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Investor, der ernsthaft an der Übernahme der Lübecker Landewiese interessiert ist. Sie haben womöglich schon vor längerem, etwa im März 2012, gehört, daß der Flughafen zum „Verkauf“ steht. Sie wissen: sollte er nicht „verkauft“ werden, müßte er am 2. Januar 2013 Insolvenz anmelden. Das bedeutet nicht, daß der Flughafen sich in Nichts auflöst. Natürlich würde versucht werden, die Konkursmasse an den Mann zu bringen, möglichst in toto. Als Interessent bräuchten Sie eigentlich nur den Januar 2013 abzuwarten und könnten dann ein echtes Schnäppchen landen. Wieso wohl ist es in diesem Fall nicht so gelaufen?

Es ist der fast schon unbegrenzten Dummheit der Verwaltung und der ignoranten Mehrheit der Lübecker Bürgerschaft zuzuschreiben, die einem „Investor“ unbedingt mal eben mal eben jede Menge Geld schenken wollen. Viel mehr übrigens, als die hiesige Monopolpresse bisher berichtet hat.

Warum nicht abwarten?

Was ist bekannt, oder besser: was glaubt die Öffentlichkeit bisher zu wissen? Der Investor, die Firma Firma 3 Y Logistic und Projektbetreuung GmbH bzw. deren Ableger Yasmina Flughafenverwaltung GmbH bekommen den Flughafen für einen Euro. Ganz so einfach ist es nicht, aber dazu später mehr. Obendrauf erhält der „Investor“ 5,5 Mio. Euro für relativ unklare (bzw. wohl nicht im Detail festgelegte) Ausbaumaßnahmen.

Ach ja, die Grundstücke, die derzeit der Flughafen Lübeck GmbH gehören, gibt‘s zum Nulltarif dazu. Das betrifft nicht das eigentliche Flughafengelände (das soll man auf 20 Jahre für 300 000 Euro p.a. vom Eigentümer, der Hansestadt Lübeck pachten), aber Flächen an der Blankenseer Straße sowie Ausgleichsflächen in der weiteren Umgebung.

Etliche Milliönchen extra

Schon jetzt wird deutlich: der derzeitige Deal kommt für den „Investor“ deutlich günstiger, als wenn er sich aus der Insolvenzmasse bedienen würde – diese wunderbaren Weihnachtsgeschenke fielen dann alle weg. Aber das Knallbonbon, von dem in der hiesigen Presse überhaupt noch nichts zu lesen war, kommt erst noch.

Zwar ist bekannt, daß die Hansestadt Lübeck alle Altschulden des Flughafens in Höhe von rund 50 Mio. Euro übernehmen will. Schön und gut, das war bekannt. Die wären auch bei einer Insolvenz verschwunden. Der Unterschied zum aktuellen Deal: die weiterhin existierende Flughafen Lübeck GmbH, dann im Besitz des „Investors“, muß diesen Verzicht der Hansestadt auf ausstehende Kredite als Gewinn verbuchen. Auf einen derartigen Gewinn werden Steuerzahlungen fällig. Und zwar rund 10 Mio. Euro.

Ahnen Sie was? Richtig. Der Investor wird sie nicht zahlen, denn die Hansestadt Lübeck hat sich auch ganz klammheimlich zur Übernahme dieser 10 Mio.-Euro-Zahlung ans Finanzamt verpflichtet. (Jetzt kann man schon verstehen, warum der ganze Krempel im Blitztempo abgenickt wurde.)

Sie lesen richtig! Noch mal zehn Millionen obendrauf, die die hiesige Monopolpresse nie erwähnt hat.

Plus Grundstücke

Damit nicht genug. Da sind immer noch die erwähnten Grundstücke, die der „Investor“ als Morgengabe bekommen soll. Im Falle einer Insolvenz hätte sie die Hansestadt Lübeck möglicherweise zu Geld machen können; jetzt natürlich nicht mehr, wo sie sie verschenkt hat.

Es handelt sich um rund 20 ha an der Blankenseer Straße, bislang für Parkplätze vorhergesehen, sowie um rund 130 ha Ausgleichsflächen. Die sind zwar als Kompensation für Naturzerstörung am Flughafen vorgesehen, trotzdem aber nicht mit einem Naturschutzgebiet zu verwechseln. Auf 87 ha wäre eine landwirtschaftliche Nutzung möglich.

Diese Grundstücke haben also durchaus einen Wert, ob man sie nun verkauft oder verpachtet. Experten schätzen deren Verkaufswert auf rund 17 Mio. Euro.

Stille Nacht, teure Nacht

Also, wie sieht das Weihnachtsgeschenk der Stadt an den „Investor“ aus? Flughafen für lau, plus 5,5 Mio. Reinhardt-Bonus für mehr als unklare „Investitionen“, plus 10 Mio. ans Finanzamt, plus 17 Mio. für Grundstücke. Nochmal bis zu 32,5 Mio. Euro verschenkt.

(Mögliche Einnahmen aus 20 Jahren Pacht des Flughafengeländes in Höhe von 6 Mio. Euro mag man, wenn man unbedingt will, optimistisch dagegen rechnen. Die machen den Kohl aber auch nicht fett.)

Natürlich: in einem Insolvenzverfahren würde man nicht die Marktpreise erlösen können; der genannte Betrag ist daher nur theoretischer Natur. Aber trotzdem: aus einem Insolvenzverfahren könnte man ohne weiteres mit einem positiven Ergebnis herauskommen, wenn man auf den Unsinn verzichtet, angebliche „Rückbaukosten“ für den Flughafen einzurechnen.

Eine rechtlich verbindliche Verpflichtung zum Rückbau der Einrichtungen existiert nämlich nicht. Ebensowenig würde das derzeitige Flughafengelände automatisch zum Naturschutzgebiet erklärt werden müssen – eine Legende, die seinerzeit der „Wirtschaftssenator“ Wolfgang Halbedel ins Spiel brachte, der zumindest in Sachen Flughafen bekanntlich von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte.

Chance verpaßt

Langer Rede kurzer Sinn: wenn die Hansestadt Lübeck an echten Interessenten für die Landewiese Interesse gehabt hätte, hätte sie im Insolvenzverfahren die besten Chancen gehabt, möglichst kostengünstig aus dem Jahrhundertirrtum Flughafen herauszukommen.

Sie hat sie, ganz offensichtlich aus ideologischen Gründen, nicht genutzt, und verschwendet/verschenkt weitere Millionen. Soviel zum angeblichen Sparhaushalt des neuen Traum-Bündnisses CDU/SPD.